WEBVTT

00:00:06.000 --> 00:00:21.000
Anfang 1946 in Oberfranken, in Marktredwitz, nahe meiner Heimatstadt,
da habe ich versucht, mein Leben in Deutschland nach der Vertreibung aufzubauen. 

00:00:21.000 --> 00:00:28.000
Es war eine Zeit, in der das Leben nicht viel wert war.
Und da kam eben dann zum Glück der Unimog.

00:00:29.000 --> 00:00:37.000
Mit dem hat dann mein Leben erst Sinn bekommen.
Und mit dem Unimog ging es dann bei mir bergauf.

00:00:44.000 --> 00:00:50.000
Durch einen ganz großen Zufall, hat ein Bekannter, ein Landsmann von mir

00:00:50.000 --> 00:01:03.000
ein Prospektblatt mitgebracht. Das hat mich so fasziniert, dass ich plötzlich gesehen habe.
Das ist eigentlich ein Produkt, an dem würde ich gern mitarbeiten.

00:01:03.000 --> 00:01:12.000
Das wäre eine Basis für mich, mein Leben in Deutschland
nach dem Krieg und nach der Vertreibung aufzubauen.

00:01:15.000 --> 00:01:28.000
Dann habe ich natürlich sofort mich beworben, habe damals handschriftlich natürlich ein
einseitiges Bewerbungsschriftstück verfasst, habe das nach Göppingen geschickt

00:01:28.000 --> 00:01:33.000
Und habe also kurze Zeit darauf, eine Einladung bekommen, 

00:01:34.000 --> 00:01:45.000
um mich in Göppingen vorzustellen. Fahrzeug hatte ich natürlich keines.
Das heißt, ich habe mich auf mein Fahrrad gesetzt, ohne Gangschaltung und bin dann

00:01:45.000 --> 00:01:48.000
mit dem Fahrrad nach Göppingen gefahren, um mich da vorzustellen.

00:01:50.000 --> 00:02:01.000
Ich bin dann wieder nach Hause gefahren und habe meine Zelte abgebrochen,
habe dann am 4. Juli 1949 bei der Maschinenfabrik Gebrüder Boehringer

00:02:01.000 --> 00:02:04.000
in Göppingen als Vorführer angeheuert.

00:02:09.000 --> 00:02:14.000
Wir haben zuerst bei dem bayerischen Landadel vorgeführt.

00:02:14.000 --> 00:02:22.000
Denn die Bauern waren ja alle sehr skeptisch. Die haben gesagt: „Was, mit dem Jeep
wollt ihr pflügen und wollt ihr einem Deutz oder einem Lanz Bulldog Konkurrenz machen?“.

00:02:23.000 --> 00:02:32.000
Das war eigentlich dann schon damals so eine Kettenreaktion:
denn in dem Moment, wo die ersten drei, vier vom Landadel einen Unimog hatten,

00:02:33.000 --> 00:02:39.000
da kamen die anderen. Und hat der Graf Bodzek gesagt:
„Was, wenn der Armin einen Unimog hat, na dann muss ich ja auch mindestens zwei haben!“

00:02:39.000 --> 00:02:46.000
Die Fahrer haben meistens eine sehr wichtige Rolle gespielt.
Denn der Bauer wollte er zufriedene Fahrer haben.

00:02:46.000 --> 00:02:54.000
Sie mussten ja viel leisten, waren den ganzen Tag auf dem Feld.
Und da war es natürlich ein Unterschied, ob sie auf so einem Lanz Bulldog saßen,

00:02:54.000 --> 00:03:04.000
auf einer Blechschale, mit einem Motor, der bei jeder Umdrehung in sein Kreuz
gestoßen hat, Wind und Wetter ausgesetzt. 

00:03:05.000 --> 00:03:17.000
Und im Unimog waren sie natürlich an einen geschützten Platz in einem damals
gepolsterten Sitz mit einem Verdeck gegen Schlechtwetter geschützt.

00:03:17.000 --> 00:03:26.000
Da war also der Streit unter den Traktorfahrern - die hatten ja oft zehn,
zwölf Traktoren - war also der: „Wer darf jetzt den Unimog fahren und wer muss auf diesen

00:03:26.000 --> 00:03:31.000
alten, unbequemen Traktoren sitzen und da arbeiten?“.

00:03:31.000 --> 00:03:46.000
1950 hatte ich dann die erste Vorführung in Spanien.
Wir sind mit zwei Unimog nach Madrid und haben dort den Unimog vorgeführt.

00:03:46.000 --> 00:03:56.000
Dann kam mein Chef, der Herr Dietrich und hat gesagt: „Herr Feix, 
können Sie mal zwei Monate nach Argentinien gehen, um dort den Unimog vorzuführen?“

00:03:56.000 --> 00:04:05.000
Und das war natürlich ein Angebot, das ich als Junggeselle und mit viel
Tatendrang natürlich sofort angenommen habe.

00:04:05.000 --> 00:04:22.000
Ich bin dann noch mit einem weiteren Kollegen von Frankfurt aus mit der KLM im Juni 1952
nach Buenos Aires geflogen. Mein erster Kontakt mit Südamerika,

00:04:22.000 --> 00:04:34.000
der sich dann doch auf eine längere Zeit hinziehen sollte.
Wenn ich in Lateinamerika war, dann habe ich mich gefreut über die Leichtigkeit

00:04:34.000 --> 00:04:43.000
und das angenehme Leben da drüben und in Deutschland habe ich dann die Ordnung
wieder geschätzt. Aber ich habe nicht versucht, das eine in das andere Land oder die 

00:04:44.000 --> 00:04:50.000
andere Gegend zu übertragen.
Heute habe ich noch zum mexikanischen Vertreter noch einen guten Kontakt.

00:04:51.000 --> 00:04:59.000
Er sagt immer, ich bin wie sein zweiter Vater.
Weil er hat bei mir mal gelernt, wie man Unimog verkauft, wie man Angebote macht.

00:05:00.000 --> 00:05:07.000
Und ja, das ist eigentlich eine schöne Erinnerung. 
Der Unimog ist ein Bazillus. Er lässt einen nicht los.

00:05:07.000 --> 00:05:17.000
Und man hat mir ja in meiner späteren Zeit oft von Stuttgart gesagt: „Sie können doch
zum Lastwagensektor kommen. Da können Sie ja viel mehr bewirken, als mit dem Unimog.“

00:05:17.000 --> 00:05:20.000
Aber das wäre mir viel zu langweilig gewesen.

00:05:22.000 --> 00:05:35.000
Mein Name ist Roland Feix, Jahrgang 1928 und ich hatte das Glück, 44 Jahre auf dem Unimog Sektor tätig
zu sein und ich wünsche dem Unimog zu seinem 75-jährigen Jubiläum alles, alles Gute.